Wettprognosen für heute – und was eine Prognose wirklich kostet
Eine Wettprognose ist eine begründete Einschätzung, kein Versprechen. Wer heute Wetten auf Bundesliga, Champions League oder ein anderes Großereignis abschließen will, braucht beides: eine eigene Einschätzung, wie das Spiel ausgehen könnte, und ein Auge auf die Quote, die der Anbieter dafür anbietet. Beides zusammen entscheidet darüber, ob eine Wette sinnvoll ist – nicht die Prognose allein. Wer den Ausgang eines Spiels sicher kennt, braucht keine Quote; wer die Quote nicht liest, verspielt seinen Vorteil.

Stand: 19 Oktober 2026 – geprüft gegen die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der genannten Anbieter.
Inhaltsverzeichnis
- Warum keine Prognose der anderen vertraut werden sollte
- Vom Formcheck zur Wette: Wie eine eigene Prognose entsteht
- Statistik als Werkzeug – und ihre Grenzen
- Value, Quote und Marge: Warum die Quote die Prognose schlägt
- Statistik, Form, Quote – was heute zählt
- Was eine Wette wirklich kostet: Steuer, Quotenabschlag und Co
- Lizenz und Whitelist: Welche Anbieter in Deutschland erlaubt sind
- Verantwortungsvolles Wetten: Limits, Sperren und der Panikbutton
- Die Sportwettensteuer in Deutschland: Wer sie zahlt, wer sie weitergibt
- Wettanbieter im Vergleich: lizenzierte Anbieter mit deutscher Erlaubnis
- Live-Wetten und ihre Beschränkungen in Deutschland
- Esports und die Lücke im deutschen Markt
- Offshore-Anbieter und das Risiko für deutsche Wettende
- Bonusbedingungen verstehen, bevor man sie annimmt
- Wettregeln, die jede Prognose betreffen
- Wer heute eine Prognose braucht – und wer lieber wartet
- Häufig gestellte Fragen
Warum keine Prognose der anderen vertraut werden sollte
Wer ein Fußballspiel verfolgt, sieht zwei Mannschaften, elf Spieler pro Seite, einen Schiedsrichter und einen Platz. Wer eine Prognose erstellt, sieht viel mehr: die Form der letzten Spiele, Tore und Gegentore, Heim- und Auswärtsbilanz, verletzte Spieler, gesperrte Profis, taktische Grundordnungen, die Belastung in der Englischen Woche, den Tabellenstand und seine Auswirkung auf die Motivation. Daraus entsteht eine Tendenz. Mehr nicht.

Eine Tendenz ist kein Ergebnis. Mannschaften verlieren Spiele, in denen sie führen, schießen Tore in der Nachspielzeit und kassieren sie nach Eckbällen, die niemand eingeplant hat. Modelle, die mit xG-Werten, Passnetzen oder Pressingintensität arbeiten, liegen im Schnitt etwas häufiger richtig als der Bauch – aber „im Schnitt“ heißt: bei hunderten Wetten ein paar Prozente mehr Trefferquote. Eine einzelne Partie lässt sich auch mit dem besten Modell nicht voraussagen. Wer das verspricht, verspricht etwas, das kein Modell der Welt halten kann.
Das hat Folgen für jede Wette, die heute läuft. Eine Prognose kann sinnvoll sein, wenn sie die Quote übersteigt – dazu, was das heißt, gleich mehr. Eine Prognose, die ohne Quote dasteht, ist nur ein Tipp. Wer nach einer solchen Prognose wettet, wettet gegen den Anbieter, ohne zu wissen, wie groß dessen Vorteil in dieser Quote ist. Genau dieser Vorteil – die Marge – entscheidet, was von jeder Wette auf Dauer übrig bleibt. Eine Quote ist die andere Seite der Medaille: zeigt sie 2,10, hat der Buchmacher einen Teil dieser 2,10 für sich behalten.
Vom Formcheck zur Wette: Wie eine eigene Prognose entsteht
Eine eigene Prognose ist kein Hexenwerk, aber auch kein Ratespiel. Sie folgt einer Reihenfolge, die sich mit jedem Spiel wiederholt und die eigene Fehler sichtbar macht.

Die Form lesen. Form ist nicht der letzte Tabellenstand, sondern das Ergebnis der letzten fünf bis zehn Spiele mit Tordifferenz und Spielverlauf. Eine Mannschaft, die aus drei Niederlagen in Folge kommt, in denen sie jeweils in Führung lag und spät verlor, ist nicht „in schlechter Form“ – sie verliert Spiele, die sie nicht verlieren müsste. Eine Mannschaft, die aus drei Siegen mit jeweils klarer Chancenplus kommt, ist nicht „überglücklich“ – sie hat eine Phase.
Statistiken prüfen. Tore pro Spiel, Gegentore pro Spiel, Schüsse aufs Tor, xG-Werte wenn verfügbar, Ballbesitz, Passquote, Standardsituationen. Das sind Zahlen, die Spiele zusammenfassen. Sie zeigen, was eine Mannschaft kann – und sie zeigen, was die andere ihr wahrscheinlich erlauben wird. Eine Mannschaft, die vorne wenig kreiert und hinten viel zulässt, hat gegen eine Mannschaft, die wenig Chancen braucht, ein Problem.
Aufstellungen abgleichen. Verletzungen und Sperren entscheiden oft mehr als die Form. Fehlt der Torjäger, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Sieges mit zwei Toren Unterschied. Fehlt der Achter, der das Pressing organisiert, leidet das Spiel gegen den Ball. Wer ohne Aufstellung prognostiziert, schätzt eine Version der Mannschaft, die so nicht spielt. Die offiziellen Aufstellungen erscheinen etwa eine Stunde vor Anpfiff – erst danach lohnt sich der endgültige Vergleich mit der Quote.
Quote prüfen. Erst zum Schluss kommt die Quote. Eine Quote ist eine Wahrscheinlichkeit in Dezimalform: 2,00 steht für 50 %, 1,50 für etwa 67 %, 3,00 für 33 %. Wer aus seiner Prognose eine Wahrscheinlichkeit ableitet – sagen wir 55 % Heimsieg – und die Quote dafür liegt bei 1,90 statt der zu erwartenden 1,82, hat eine Value-Wette gefunden. Mehr dazu im übernächsten Abschnitt.
Kontext einbeziehen. Der Spieltag entscheidet mit. Eine Mannschaft, die am Mittwoch in der Champions League gespielt hat und am Samstag in der Bundesliga ran muss, ist belastet. Eine Mannschaft, die nichts mehr gewinnen kann, weil der Klassenerhalt sicher ist, hat eine andere Motivation als eine, die noch um die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb kämpft. Diese Faktoren lassen sich nicht in Zahlen pressen, aber sie stehen in jeder seriösen Vorschau.
Wer diese Schritte geht, hat am Ende eine Wahrscheinlichkeit für die möglichen Ausgänge. Mehr nicht. Eine Wette platziert, wer dann prüft, ob die Quote über der eigenen Wahrscheinlichkeit liegt – und wie viel Marge der Anbieter in dieser Quote versteckt hat.
Statistik als Werkzeug – und ihre Grenzen
Statistiken sind nützlich, aber sie sind keine Wahrheit. Ein paar Grundsätze lohnen sich, bevor eine Zahl zur Prognose wird.
xG – die erwarteten Tore – ist ein Modell, das die Qualität einer Chance in eine Torwahrscheinlichkeit übersetzt. Ein Schuss aus fünf Metern freistehend hat ein hohes xG, ein Schuss aus 25 Metern unter Bedrängnis ein niedriges. Das Modell hilft, weil es den Zufall eines einzelnen Spiels glättet. Über zehn Spiele zeigt es, ob eine Mannschaft mehr Chancen erzeugt als sie nutzt – und ob das auf Dauer so bleibt. Über ein einzelnes Spiel sagt xG nichts, was der Anpfiff nicht auch zeigen würde.
Tore pro Spiel sind die ehrlichste Zahl, die der Fußball hergibt. Sie entscheiden über Punkte, und sie lassen sich über Jahre vergleichen. Aber sie sind auch abhängig vom Spielstil. Eine Mannschaft, die viel kontrolliert und wenig riskiert, hat weniger Tore als eine, die früh presst und spät umschaltet. Der Vergleich der absoluten Zahlen ist irreführend, wenn er nicht die Tore der anderen Seite mitdenkt.
Heimvorteil ist real, aber er schrumpft. In der Bundesliga lag der Heimvorteil über Jahre konstant bei einem Punkt pro Spiel – in den letzten Saisons ist er kleiner geworden, teilweise kaum noch messbar. Das hat mit der Professionalisierung, mit Reisen und mit der Belastung zu tun. Wer den Heimvorteil pauschal in jede Prognose einrechnet, überschätzt ihn.
Diese Einschränkungen sind kein Argument gegen Statistik – sie sind das Argument dafür, Statistik nicht für bare Münze zu nehmen. Eine Prognose, die nur aus Zahlen besteht, übersieht das, was Zahlen nicht fassen. Eine Prognose, die ohne Zahlen auskommt, übersieht das, was Zahlen fassen.
Value, Quote und Marge: Warum die Quote die Prognose schlägt
Eine Value-Wette liegt vor, wenn die Quote über der eigenen Wahrscheinlichkeit liegt. Klingt einfach, hat es aber in sich.
Wenn aus eigener Einschätzung die Wahrscheinlichkeit eines Heimsiegs bei 55 % liegt, müsste die faire Quote 1,82 betragen (1 geteilt durch 0,55). Bietet der Anbieter 1,90, ist das eine Value-Wette: 55 % Wahrscheinlichkeit bringen 0,55 × 1,90 = 1,045 Einheiten zurück – ein Gewinn von 4,5 Cent pro Euro Einsatz über die Zeit. Bietet der Anbieter nur 1,70, ist es keine: 0,55 × 1,70 = 0,935 – ein Verlust von 6,5 Cent pro Euro. Über fünfhundert Wetten hinweg wird daraus ein nennenswerter Unterschied.
Was die meisten Wettenden übersehen: der Anbieter hat in jede Quote eine Marge eingebaut. Eine Marge ist der Anteil, den der Anbieter vom Umsatz behält. Bei einem ausgeglichenen Spiel – Sieg Heimmannschaft, Unentschieden, Sieg Auswärtsmannschaft – müssten die Quoten bei 3,00, 3,00 und 3,00 stehen, wenn der Anbieter keine Marge nimmt. Tun sie das nicht, hat er eine eingebaut.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: ein Zwei-Wege-Markt mit beiden Ausgängen bei einer Quote von 1,90 – ein fiktiver Schnitt, der als Beispiel für eine ausgeglichene Partie ohne Unentschieden steht. Die Auszahlungsrate ist 1 ÷ (1/1,90 + 1/1,90) = 1 ÷ (0,5263 + 0,5263) = 1 ÷ 1,0526 = 0,9500. Das heißt: 95 % der Einsätze gehen zurück an die Spielenden, 5 % behält der Anbieter. Die Marge liegt bei rund 5 %. Bei einer Quote von 1,85/1,85 wäre die Marge schon bei knapp 8 %, bei 1,80/1,80 schon bei rund 11 %. Die Marge schluckt einen ordentlichen Teil jedes Einsatzes – egal, wer gewinnt.
Das hat eine harte Konsequenz: eine Value-Wette muss die eigene Wahrscheinlichkeit deutlich über die implizite Wahrscheinlichkeit der Quote heben, damit sie sich rechnet. Eine 55-%-Wahrscheinlichkeit gegen eine 1,85-Quote (≈ 54 % implizit) ist knapp – und nach Steuern und Marge bleibt kaum etwas übrig. Eine 60-%-Wahrscheinlichkeit gegen 1,85 ist eine andere Liga. Wer Value-Wetten findet, muss sehr genau rechnen – und der Buchmacher macht es einem nicht leicht.
Ein weiterer Punkt: die Marge variiert. Fußball-X2-Märkte haben oft eine niedrigere Marge als Spezialmärkte auf Eckbälle oder Karten. Live-Wetten haben häufig eine höhere Marge als Pre-Match-Wetten. Kombiwetten kumulieren die Margen aller Einzelmärkte – wer aus drei 1,90-Quoten eine Kombi baut, hat längst keine Value mehr, weil die effektive Marge über 13 % liegt. Wer Value sucht, bleibt bei Einzelwetten auf Märkten mit niedriger Marge.
Statistik, Form, Quote – was heute zählt
Eine Wettprognose für heute beginnt nicht bei der Statistik und hört nicht bei der Quote auf. Drei Dinge stehen heute besonders im Mittelpunkt.
Spieltag und Belastung. Mittwoch Champions League, Samstag Bundesliga – wer am Mittwoch 90 Minuten gespielt hat, ist am Samstag nicht auf demselben Stand. Das gilt für die Startelf und für das Trainerteam, das rotieren muss. Wer die Belastung ignoriert, prognostiziert eine Mannschaft, die so nicht spielt.
Wetter und Platz. Schnee in Dortmund, Regen in Hamburg, ein trockener Rasen in München – das verändert Spiele. Eine Mannschaft, die über Flanken spielt, profitiert von einem schnellen Platz; eine, die über Kurzpass und Ballbesitz spielt, leidet. Wer in den November- und Dezemberwochen prognostiziert, schaut in den Wetterbericht.
Quotenbewegung am Tag des Spiels. Eine Quote, die sich seit Eröffnung bewegt hat, erzählt eine Geschichte. Steigt die Quote für die Heimmannschaft, hat sich Geld in Richtung Auswärts bewegt – möglicherweise, weil die Aufstellung durchgesickert ist. Sinkt die Quote, hat sich mehr Geld auf den Favoriten gesammelt. Diese Bewegungen sind spät, sie kommen eine Stunde vor Anpfiff, und sie enthalten Information, die eine am Morgen erstellte Prognose nicht hat.
Heute heißt also: bis kurz vor Anpfiff prüfen, was sich verändert hat. Wer am Morgen prognostiziert und vor dem Spiel nicht mehr hinschaut, lässt die letzte Information liegen, die eine Wette sinnvoll oder sinnlos macht.
Was eine Wette wirklich kostet: Steuer, Quotenabschlag und Co
In Deutschland zahlt der Anbieter die Wettsteuer – aber nicht alle. Manche geben sie weiter, und das macht den Unterschied.
Die gesetzliche Grundlage ist das Rennwett- und Lotteriegesetz, §§ 17 und 18: 5,3 % auf die Bemessungsgrundlage „Einsatz abzüglich der Steuer selbst“, das sind rund 5,03 % des eingesetzten Betrags. Die Steuer schuldet der Veranstalter, nicht der Wettende. Was der Anbieter damit macht, steht in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Manche tragen sie vollständig – die Wette wird aus der Bruttoquote ausbezahlt, der Anbieter behält weniger Marge. Andere geben sie weiter – und dann sinkt die effektive Quote.
ODDSET erhebt bei Kunden mit Wohnsitz in Deutschland eine Gebühr von 5 % auf den Bruttogewinn einer gewonnenen Wette. Aus 100 € Gewinn (Einsatz × Quote) werden 95 € ausgezahlt. Interwetten nimmt bei Wetten einen Quotenabschlag von 5,3 % vor und trägt nach eigenen Worten die Sportwettensteuer – das ist ein Widerspruch in den eigenen Unterlagen, der nichts daran ändert, dass am Gewinn 5,3 % fehlen. Bei DAZN Bet wird auf jede Sportwette ein Quotenabschlag von 5 % erhoben, automatisch berechnet, im Kontoverlauf sichtbar. Sportingbet behält 5 % des Bruttogewinns bei gewonnenen Wetten ein. Winamax bewirbt, keine Wettsteuer zu berechnen – und verweist auf eine Odoxa-Studie zu 2.967 Spielen zwischen April und August 2025, in der Winamax bei 45 % der untersuchten Quoten auf Platz eins lag.
Was das in Euro bedeutet: bei einer Quote von 2,00 und einem Einsatz von 100 € liegt der Bruttogewinn bei 100 €. Nach 5 % Quotenabschlag werden 95 € ausgezahlt. Bei 5,3 % sind es 94,70 €. Das klingt wenig, auf 100 Wetten hochgerechnet sind das 500 € bzw. 530 €, die auf der Strecke bleiben – unabhängig davon, wie viele Wetten gewonnen werden. Die Marge des Anbieters kommt oben drauf: bei einer 1,90-Quote sind es 5 % Marge plus 5 % Steuer. In Summe hat der Anbieter 10 % von jedem Einsatz – und der Wettende spielt gegen 90 % des Marktes, nicht gegen 100 %.
Wer eine Value-Wette sucht, muss diese Kosten mitrechnen. Eine Quote von 2,00, die nach Steuer und Marge effektiv 1,80 zahlt, ist keine Value gegen eine 50-%-Wahrscheinlichkeit. Erst eine Quote, die nach allen Kosten noch über der eigenen Wahrscheinlichkeit liegt, ist eine Value.
Lizenz und Whitelist: Welche Anbieter in Deutschland erlaubt sind
Wer in Deutschland Sportwetten anbietet, braucht eine Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Die Erlaubnis steht auf einer öffentlichen Liste, der Whitelist. Eine Whitelist-Erlaubnis ist die einzige anerkannte Legitimation – eine maltesische oder Curaçao-Lizenz ersetzt sie nicht.
Die GGL beaufsichtigt seit Juli 2021 den deutschen Markt und führt die bundesweite Whitelist nach § 9 Abs. 8 GlüStV. Im Stand vom 2. Oktober 2026 führt sie 30 Einträge – 27 Veranstalter mit Sportwetten-Erlaubnis (zwei davon zusätzlich für Pferdewetten) und drei weitere nur für Pferdewetten. Jede gelistete Domain ist eine .de-Domain, aber nicht jede .de-Domain steht auf der Liste. Eine .de-Domain allein beweist nichts.
Eine Erlaubnis wird für fünf Jahre erteilt. Die Whitelist zeigt nur das Datum der Erteilung, kein Enddatum. Die im Folgenden genannten Anbieter sind auf der Liste, jeder für seine Sportwetten-Erlaubnis mit dem genannten Inhaber. Andere Erlaubnisse – Spielautomaten, Online-Casino, Poker – sind eigene Genehmigungen mit eigenen Regeln; sie stehen hier nicht zur Diskussion.
Was auf einer Whitelist steht, ist trocken, aber verbindlich. Wer dort nicht steht, ist in Deutschland unerlaubt. Wer dort steht, unterliegt dem GlüStV und damit OASIS-Sperrsystem, LUGAS-Limitdatei, Pflicht zur Identifizierung und zur Echtzeit-Überwachung des Spielverhaltens. Das schränkt die Anbieter ein, aber es schützt die Spielenden – und es ist der Grund, warum die Auswahl hier nur Anbieter umfasst, die dort stehen.
Verantwortungsvolles Wetten: Limits, Sperren und der Panikbutton
Eine gut begründete Wette schützt nicht vor Verlusten. Wer die Wahrscheinlichkeit eines Heimsiegs auf 60 % schätzt, liegt in vier von zehn Fällen falsch. Wer 100 € auf eine Quote von 2,00 setzt und verliert, hat 100 € verloren – unabhängig davon, wie gut die Prognose war. Verantwortungsvolles Wetten beginnt dort, wo die Prognose aufhört: bei dem Geld, das riskiert wird.
Einzahlungslimit. Seit 2022 gilt in Deutschland ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 € über alle Anbieter hinweg, technisch umgesetzt über die LUGAS-Limitdatei. Wer mehr einzahlen will, muss dem Anbieter seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen – eine Selbsterklärung reicht nicht. Die Anbieter dürfen in Einzelfällen bis zu 10.000 € und für einen sehr kleinen Kreis sogar bis zu 30.000 € freigeben. Ein niedrigeres Limit greift sofort; eine Erhöhung erst nach sieben Tagen.
OASIS-Sperrsystem. Die GGL führt eine bundesweite Sperrdatei. Anbieter müssen bei Anmeldung und Login prüfen, ob ein Sperreintrag besteht. Eine Selbstaussperrung dauert mindestens drei Monate, wenn der Spielende eine Frist nennt, sonst mindestens ein Jahr. Eine Fremdsperrung durch Angehörige oder den Anbieter ist möglich. Wer in OASIS steht, kann in Deutschland nirgends mehr spielen.
Panikbutton. Der Anbieter hat eine Sofortsperre von 24 Stunden einzubauen. Ein Klick, ein Tag Pause. Die Sperre verlängert sich nicht automatisch, aber sie ist da, wenn die Emotion kippt.
Verifizierung. Vor der ersten Auszahlung muss der Anbieter den Spielenden identifizieren – mit Personalausweis und Adressnachweis. Vor der Verifizierung darf maximal 72 Stunden lang mit höchstens 100 € Einzahlung gespielt werden, ohne Auszahlung. Das ist unbequem, aber es ist der Mechanismus, der Geldwäsche und Spielsucht gleichermaßen erschwert.
Parallel-Spieluntersprache. Während einer laufenden Wette darf kein zweiter Bildschirm mit einer anderen Wette geöffnet sein. Das klingt nach Kleinkram, ist aber ernst: die GGL will verhindern, dass Spielende in einem Anbieter parallel eine zweite Wette bei einem anderen öffnen, um Verluste zu kompensieren. Die Aktivitätsdatei (LUGAS) registriert jede aktive Wette und blockt parallel laufende Sitzungen.
Eigenes Budget. Alle diese Mechanismen helfen – aber das wichtigste Werkzeug bleibt das eigene Budget. Wer 50 € im Monat für Wetten festlegt und diesen Betrag nicht überschreitet, hat das größte Risiko bereits begrenzt. Eine Prognose kann schlecht sein; sie sollte nie das ganze Monatsbudget kosten.
Die Sportwettensteuer in Deutschland: Wer sie zahlt, wer sie weitergibt
Die Sportwettensteuer beträgt 5,3 % auf den Wetteinsatz abzüglich der Steuer selbst (was etwa 5,03 % des eingezahlten Betrags entspricht). Die Steuer schuldet der Veranstalter, nicht der Wettende. Was der Anbieter damit macht, steht in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Manche tragen sie vollständig – die Wette wird aus der Bruttoquote ausbezahlt, der Anbieter behält weniger Marge. Andere geben sie weiter – und dann sinkt die effektive Quote.
ODDSET behält 5 % des Bruttogewinns ein. Aus 100 € Bruttogewinn werden 95 € Auszahlung. Die Werbung spricht von „Quotenabschlag“.
Interwetten schreibt in den AGB (Version 1.1, Stand 07.07.2021), dass die Steuer vom Unternehmen getragen wird – und nimmt gleichzeitig einen Quotenabschlag von 5,3 % vor. Die eigenen Sportsbook-Regeln (Stand 29.05.2024) beschreiben den Abzug anders. Was zählt, ist die Praxis: im Gewinnfall werden 5,3 % abgezogen.
DAZN Bet zieht 5 % pro Wette ab, automatisch, im Kontoverlauf sichtbar. Das ist die sauberste Form der Weitergabe – wer wissen will, was die Wette kostet, schaut in den Verlauf.
Sportingbet behält 5 % des Bruttogewinns ein, verweist in den Wettregeln aber auf die alte Formulierung „5 % des Wetteinsatzes“ nach § 17 RennwLottG. Die korrekte Bemessungsgrundlage ist Einsatz minus Steuer – die alte Formulierung überschätzt den Betrag. Was tatsächlich abgezogen wird, ist der geringere.
Winamax wirbt mit „0 % Wettsteuer“ und verweist auf eine Odoxa-Studie, nach der Winamax bei 45 % der untersuchten Quoten auf Platz eins lag – 2.967 Spiele aus Fußball, Tennis und Handball zwischen April und August 2025. Wer auf Winamax wettet, bekommt die Bruttoquote ausbezahlt. Der Anbieter trägt die Steuer.
Das ist die Spanne: Winamax trägt die Steuer vollständig, ODDSET und DAZN Bet ziehen 5 % vom Gewinn ab, Interwetten 5,3 %. Auf eine Wette zu 100 € Einsatz bei Quote 2,00 macht das zwischen 0 € (Winamax) und 10,60 € (Interwetten, 5,3 % von 200 € Bruttogewinn) Unterschied. Über ein Jahr mit regelmäßigem Wetten summiert sich das.
Wettanbieter im Vergleich: lizenzierte Anbieter mit deutscher Erlaubnis
Die folgende Gegenüberstellung zeigt Anbieter mit GGL-Sportwetten-Erlaubnis, Stand der Whitelist 2. Oktober 2026. Wer auf einem dieser Anbieter wettet, wettet legal in Deutschland – unter den Regeln des GlüStV, mit OASIS, LUGAS und allen anderen Mechanismen. Die Tabelle zeigt, wer hinter welcher Marke steht und seit wann die Erlaubnis besteht. Eine Erlaubnis ist kein Qualitätsurteil – sie ist die Eintrittskarte in den Markt.
| Anbieter | GGL-Whitelist-Status und Erlaubnisinhaber | Sportwetten-Erlaubnis seit |
|---|---|---|
| Betano | Whitelist-Eintrag für Betano; Inhaber: Betkick Sportsbetting Limited, San Giljan (Malta) | 19.02.2021 |
| ODDSET | Whitelist-Eintrag für ODDSET; Inhaber: Oddset Sportwetten GmbH | 18.11.2020 |
| Interwetten | Whitelist-Eintrag für Interwetten; Inhaber: Interwetten Gaming Limited | 02.11.2020 |
| Tiptorro | Whitelist-Eintrag für Tiptorro; Inhaber: Torro Tec Limited | 30.06.2021 |
| DAZN Bet | Whitelist-Eintrag für DAZN Bet; Inhaber: DZBT Operations Limited | 22.08.2023 |
| Wettarena | Whitelist-Eintrag für Wettarena; Inhaber: I.B.C. Sportsbetting Limited | 09.10.2020 |
| bet365 | Whitelist-Eintrag für bet365; Inhaber: Hillside (Europe) ENC, Ta’Xbiex (Malta) | 09.10.2020 |
| bwin | Whitelist-Eintrag für bwin; Inhaber: bwin (Deutschland) Limited | 09.10.2020 |
| Sportwetten.de | Whitelist-Eintrag für Sportwetten.de; Inhaber: NetX Betting Limited | 19.11.2020 |
| Sportingbet | Whitelist-Eintrag für Sportingbet; Inhaber: Sportingbet (Deutschland) Limited | 09.10.2020 |
Was die Tabelle nicht zeigt: die Größe des Wettangebots, die Quotenqualität und die Funktionen. Diese Unterschiede machen den Unterschied zwischen den Anbietern aus – sie stehen in den folgenden Abschnitten.
Betano
Betano gehört zu den jüngeren Marken im deutschen Markt und ist seit Februar 2021 mit GGL-Erlaubnis aktiv. Der Markenkern liegt im Fußball – Bundesliga, Champions League, Europa League – mit einem breiten Angebot an Märkten auch für die zweiten Ligen europäischer Ligen. Wer eine Wettprognose auf ein Bundesliga-Spiel erstellt und viele Märkte vergleichen will, findet hier ein dichtes Programm. Die Whitelist-Erlaubnis läuft unter Betkick Sportsbetting Limited mit Sitz in San Giljan, Malta. Für deutsche Wettende bedeutet das: Erlaubnis in Deutschland, Aufsicht durch die GGL, Anbindung an OASIS und LUGAS. Wer auf der Suche nach einer breiten Fußballbasis ist und eine seriöse Whitelist-Erlaubnis voraussetzt, ist hier richtig.
ODDSET
ODDSET gehört zum staatlichen Glücksspiel-Stock und ist mit Erlaubnis seit November 2020 auf dem Markt. Die Marke steht für das ältere deutsche Wettsegment: Lotto, Oddset-Wetten, stationär und online. Der Quotenabschlag von 5 % auf den Bruttogewinn ist Teil des Modells – wer hier wettet, kennt den Abzug. Das Programm ist Fußball-zentriert, Bundesliga, zweite Liga, Champions League. Die Marke passt für Wettende, die einen konservativen Anbieter mit klaren Regeln suchen und mit dem Quotenabschlag leben können. Wer eine Value-Wette sucht, muss den 5 %-Abschlag in die Rechnung einbeziehen – eine 2,10-Quote wird effektiv zu 1,995.
Interwetten
Interwetten gehört zu den etablierten Namen im europäischen Wettmarkt und ist seit November 2020 mit GGL-Erlaubnis aktiv. Die AGB (Version 1.1, Stand 07.07.2021) sprechen von einem Quotenabschlag von 5,3 % im Gewinnfall; das Unternehmen trägt nach eigener Aussage die Sportwettensteuer. Das klingt nach einem Widerspruch, ist aber die übliche Sprachregelung, um die Weitergabe an die Spielenden zu beschreiben. Faktisch: im Gewinnfall werden 5,3 % abgezogen. Die App bewirbt Cashout und Live-Statistiken; das Sportwetten-Programm ist breit, mit Fußball im Zentrum. Interwetten bietet ein breites Portfolio für Wettende, die klassische Märkte und eine transparente Steuerabwicklung bevorzugen.
Tiptorro
Tiptorro ist die Sportwetten-Marke der Tipico-Gruppe und steht seit Juni 2021 auf der Whitelist. Die App heißt im Apple App Store Tiptorro und wird von der Torro Tec Limited mit Sitz in Malta angeboten. Die Entwicklerbeschreibung spricht von einem behördlich zugelassenen Sportwettveranstalter unter Aufsicht der GGL. Für Wettende, die einen Anbieter aus der Tipico-Familie suchen, ist Tiptorro die Marke mit eigener Erlaubnis. Die Spielauswahl folgt dem üblichen Fußball-Zentrum; Live-Wetten, Cashout und Kombi-Boost gehören zum Standard. Tiptorro passt für Wettende, die den Tipico-Stammbaum kennen und eine separate Marke mit eigener Erlaubnis suchen.
DAZN Bet
DAZN Bet ist die Wettmarke des Streaming-Anbieters DAZN und seit August 2023 mit GGL-Erlaubnis auf dem Markt. Der Quotenabschlag von 5 % pro Wette ist im Kontoverlauf sichtbar – das ist die transparenteste Form der Steuerweitergabe im deutschen Markt. Wer wissen will, was eine Wette effektiv kostet, schaut in den Verlauf. Das Sportwetten-Programm ist Fußball-zentriert, mit zusätzlichen Märkten aus den Bereichen, die DAZN streamt – Tennis, US-Sport. Die App bewirbt Live-Wetten, Cashout und Live-Streams. DAZN Bet passt für Wettende, die den DAZN-Stream nutzen und eine direkte Verbindung zum Wetterlebnis suchen.
Wettarena
Wettarena gehört zu den kleineren Marken auf der deutschen Whitelist und ist seit Oktober 2020 mit Erlaubnis aktiv. Die AGB nennen die I.B.C. Sportsbetting Limited mit Sitz in Sliema, Malta als Inhaberin. Das Sportwetten-Programm ist Fußball-zentriert, mit Märkten aus Bundesliga und Champions League sowie ausgewählten europäischen Ligen. Die Marke richtet sich an Wettende, die eine kleinere Plattform mit deutscher Erlaubnis suchen und mit dem Standard-Programm zufrieden sind. Was Wettarena weniger ausmacht als die größeren Marken, ist die Tiefe des Wettprogramms bei Nischensportarten.
bet365
bet365 gehört zu den größten Wettanbietern weltweit und ist seit Oktober 2020 mit GGL-Erlaubnis aktiv. Die Whitelist führt die Hillside (Europe) ENC mit Sitz in Ta’Xbiex, Malta. Die deutsche Marke bietet einen Boost für den Wetten-Konfigurator bei drei oder mehr Auswahlen und kombinierten Quoten ab 2,00 sowie einen Gewinn-Boost für Kombiwetten, dessen Prozentsatz von der Zahl der Auswahlen abhängt. Das Sportwetten-Programm ist das breiteste im deutschen Markt – Fußball, Tennis, Basketball, Eishockey, US-Sport, Spezialmärkte. Cashout, Live-Streaming und ein tiefer Konfigurator für Kombiwetten gehören zum Standard. bet365 passt für Wettende, die das breiteste Programm und viele Funktionen suchen – und bereit sind, die Quotenabschläge, die bet365 intern handhabt, in die Rechnung einzubeziehen.
bwin
bwin gehört zu den etablierten europäischen Marken und ist seit Oktober 2020 mit GGL-Erlaubnis aktiv. Die Whitelist führt die bwin (Deutschland) Limited. Die App bewirbt Cashout (manuell und automatisch), Live-Streams, Live-Statistiken, Kombi-Boost und Quoten-Boost. Das Sportwetten-Programm ist Fußball-zentriert, mit zusätzlichen Märkten aus Tennis, Basketball und Eishockey. Wer eine Wettprognose auf ein europäisches Fußballspiel erstellt und die Quote mit anderen Anbietern vergleichen will, findet hier ein vollständiges Angebot. bwin empfiehlt sich für Wettende, die ein starkes Live-Wettprogramm und vielseitige Cashout-Optionen schätzen.
Sportwetten.de
Sportwetten.de gehört zum NetX-Betting-Limited-Verbund und ist seit November 2020 mit GGL-Erlaubnis aktiv. Die Marke richtet sich an Wettende, die einen direkten deutschen Markenauftritt suchen. Der Willkommensbonus verlangt nach den Bedingungen 1-fachen Umsatz des eingezahlten Betrags und 6-fachen Umsatz des Bonusbetrags mit Einsätzen auf Sportwetten, nur Wetten mit Mindestgesamtquote 2,00 pro Wettschein zählen; bei 100 € Einzahlung und 100 € Bonus sind 700 € Gesamtumsatz nötig. Wer einen Bonus annimmt, muss diese Bedingungen lesen. Sportwetten.de passt für Wettende, die einen Anbieter mit deutschem Markenauftritt und klaren Bonusbedingungen suchen – und die Zeit haben, die Umsatzbedingungen durchzuspielen.
Sportingbet
Sportingbet ist seit Oktober 2020 mit GGL-Erlaubnis aktiv. Die Whitelist führt die Sportingbet (Deutschland) Limited. Die Wettregeln sprechen von einer Steuer von 5 % des Wetteinsatzes nach § 17 RennwLottG, behalten aber bei gewonnenen Wetten 5 % des Bruttogewinns (Einsatz × Quote) ein. Das ist die alte und im Effekt mildere Berechnungsweise. Cashout ist bei Einzel- und Kombiwetten möglich, nicht bei Systemwetten und nicht bei als FreeBet abgeschlossenen Wetten. Das Sportwetten-Programm ist Fußball-zentriert. Sportingbet passt für Wettende, die einen klassischen europäischen Anbieter mit Standard-Funktionen suchen.
Live-Wetten und ihre Beschränkungen in Deutschland
Live-Wetten sind erlaubt – aber inhaltlich begrenzt. Die GGL unterscheidet zwischen dem Schluss, der auf das Endergebnis zielt, und Wetten auf einzelne Spielereignisse während eines laufenden Spiels.
Erlaubt ist: Live-Wette auf das Endergebnis während eines laufenden Spiels. Erlaubt ist auch: Live-Wette auf das nächste Tor im Fußball, den nächsten Satz im Tennis, das nächste Spiel im Volleyball – Ereignisse, die in diesen Sportarten selten und gut prognostizierbar sind. Nicht erlaubt: Wetten auf den nächsten Punkt im Tennis, den nächsten Korb im Basketball, die nächste Karte, den nächsten Einwurf. Diese Märkte sind aus Sicht der GGL zu kleinteilig, zu nahe am Geschehen und zu anfällig für Manipulation. Wer auf solche Märkte wettet, wettet auf etwas, das in Deutschland gar nicht angeboten werden darf.
Diese Beschränkung hat Folgen für eine Wettprognose auf ein laufendes Spiel. Wer auf das nächste Tor wettet, braucht ein Modell, das die Wahrscheinlichkeit eines Tores in den nächsten fünf Minuten schätzt – xG-live-Werte sind hier das Werkzeug. Wer auf den nächsten Punkt im Tennis wettet, kann das in Deutschland legal nicht – der Markt existiert nicht auf Whitelist-Anbietern. Wer auf einem ausländischen Anbieter spielt, der solche Märkte anbietet, spielt dort ohne deutsche Erlaubnis.
Die zweite Beschränkung: nur Veranstalter mit GGL-Erlaubnis dürfen Live-Wetten auf deutsche Kunden anbieten. Eine Live-Wette auf einen Offshore-Anbieter ist unerlaubtes Glücksspiel. Wer sie platziert, hat keine deutsche Aufsicht, keinen deutschen Rechtsweg und keine Garantie, dass die Wette ausgewertet wird.
Die dritte Beschränkung: Auszahlungen erfolgen erst nach dem offiziellen Ende des Ereignisses. Wer eine Live-Wette auf das nächste Tor platziert und das Spiel beim Stand von 2:0 unterbrochen wird, wartet auf die offizielle Wertung – und das kann bei unterbrochenen Spielen Tage dauern.
Esports und die Lücke im deutschen Markt
Auf den ersten Blick wäre Esports ein idealer Markt für Wettprognosen: Spiele sind kurz, Statistiken sind umfangreich, Form ist objektiv messbar. In Deutschland ist dieser Markt trotzdem nicht zugänglich.
Die GGL behandelt Esports nicht als Sport im Sinne des GlüStV. Wetten auf Esports sind daher nicht zulässig – kein Whitelist-Veranstalter darf sie anbieten. Wer auf Counter-Strike, Dota 2 oder League of Legends wetten will, muss auf einen Anbieter ohne deutsche Erlaubnis ausweichen. Das ist unerlaubtes Glücksspiel im Sinne von § 4 Abs. 1 GlüStV, mit allen Konsequenzen: keine OASIS-Anbindung, keine LUGAS-Limits, keine deutsche Aufsicht, kein deutscher Rechtsweg im Streitfall.
Diese Lücke hat Folgen für eine Wettprognose auf Esports: in Deutschland gibt es keine legale Plattform, die eine solche Wette annimmt. Wer trotzdem auf Esports wettet, spielt auf eigenes Risiko – einschließlich des Risikos, dass die GGL die Zahlung blockieren lässt oder der Anbieter die Wette nicht auswertet.
Virtuelle Sportarten – simulierte Fußballspiele, virtuelle Pferderennen – sind ähnlich gelagert. Die GGL hat hierzu keine etablierte Position; es gibt keine legale Plattform, die sie anbietet, und keine ausdrückliche Erlaubnis. Wer auf virtuelle Sportarten wettet, wettet auf etwas, das im Graubereich liegt.
Offshore-Anbieter und das Risiko für deutsche Wettende
Ein Anbieter mit Sitz in Malta, Curaçao oder Anjouan ist in Deutschland nicht automatisch erlaubt. Die Erlaubnis steht auf der GGL-Whitelist – und dort stehen nur Anbieter mit deutschem Sitz oder mit ausdrücklicher deutscher Erlaubnis. Eine maltesische MGA-Lizenz ersetzt diese Erlaubnis nicht.
Die GGL hat am 17. September 2026 Verbraucherinnen und Verbraucher ausdrücklich vor der Teilnahme an illegalen Angeboten gewarnt. Im konkreten Fall ging es um ein Online-Casino, aber das Prinzip gilt für Sportwetten gleichermaßen. Wer auf einem Offshore-Anbieter wettet, hat keine deutsche Aufsicht, keine OASIS-Sperre, keine LUGAS-Limits und keinen deutschen Rechtsweg im Streitfall. Die Auszahlung kann Wochen dauern oder ganz ausfallen. Im schlimmsten Fall verliert der Wettende Einsatz und Gewinn.
Zivilrechtlich hat der Bundesgerichtshof dem Europäischen Gerichtshof am 25. Juli 2024 die Frage vorgelegt, ob die Dienstleistungsfreiheit einer Nichtigkeit von Sportwettenverträgen entgegensteht (Az. I ZR 90/23). Im konkreten Fall fordert ein Kläger von Tipico mehr als 3.700 € Verluste aus Sportwetten der Jahren 2013 bis 2018 zurück. Der Generalanwalt des EuGH, Nicholas Emiliou, hält es in seinen Schlussanträgen vom 19. März 2026 (Rechtssache C-530/24, Tipico) grundsätzlich für möglich, unlizenzierte Anbieter zur Rückzahlung verlorener Einsätze zu verpflichten – mit Ausnahme, wenn Behörden zugesichert haben, die Lizenzpflicht vorerst nicht durchzusetzen. Das ist keine Garantie auf Rückzahlung; es ist ein laufendes Verfahren. Wer auf einen unzulässigen Anbieter wettet, hat heute keine Sicherheit, dass er seinen Einsatz zurückbekommt, wenn der Anbieter unzuässig war.
Konkret bedeutet das: Whitelist-Erlaubnis ist die einzige verlässliche Eintrittskarte. Wer auf der Whitelist steht, unterliegt deutschem Recht und deutschem Verbraucherschutz. Wer nicht auf der Whitelist steht, ist im Graubereich – und die Grauzone hat schon manchen Wettenden Geld gekostet.
Bonusbedingungen verstehen, bevor man sie annimmt
Bonusse sind Marketing. Das ist kein Vorwurf – jeder Anbieter wirbt um Kunden, und ein Bonus ist eine Form der Werbung. Aber ein Bonus hat Bedingungen, und wer diese Bedingungen nicht liest, zahlt am Ende drauf.
Willkommensbonus. Die meisten Anbieter bieten Neukunden einen Bonus auf die erste Einzahlung. Typisch: 100 % bis zu 100 €. Wer 100 € einzahlt, bekommt 100 € Bonus – muss aber zumeist Einzahlung und Bonus mehrmals umsetzen, bevor eine Auszahlung möglich ist. Bei Sportwetten.de sind es 1-fache Einzahlung und 6-facher Bonus, also 700 € Umsatz, nur Wetten mit Mindestquote 2,00 zählen. Bei Tipwin sind es Einzahlung plus Bonus 7-fach, je Wettschein höchstens 100 € und nur Wettscheine ab Quote 1,80. Bei bpremium muss der Bonus 5-fach und die Einzahlung 5-fach umgesetzt werden, nur Wetten ab 1,7 zählen.
Freebet. Eine Freebet ist kein geschenktes Geld. Sie ist ein Wetteinsatz, dessen Wert dem Anbieter gehört. Gewinnt die Wette, wird der Gewinn ausgezahlt – nicht der Einsatz. Bei MERKUR BETS wird bei einer mit Freebet platzierten Wette der Gewinn abzüglich des Freebet-Einsatzes ausgezahlt, Cashout ist nicht möglich, und Wetten mit Quotenboost zählen nicht. Eine Freebet über 10 € auf eine 3,00-Quote bringt 20 € Gewinn – 10 € sind weg, 20 € kommen rein. Wer das nicht weiß, wettet mit falscher Erwartung.
Kombi-Boost. Ein Kombi-Boost erhöht den Gewinn einer Kombiwette, wenn die Auswahl groß genug ist. MERKUR BETS gibt ab fünf Auswahlen 5 % auf den Gewinn, je weitere Auswahl 1 Prozentpunkt mehr, höchstens 30 % ab 30 Auswahlen, Mindestquote je Auswahl 1,21, Live-Wetten mit Boost sind nicht erlaubt. Das klingt großzügig – die zusätzlichen Auswahlen erhöhen aber die kumulierte Marge, und der Boost kompensiert nur einen Teil davon.
Quotenboost. Ein Quotenboost erhöht eine einzelne Quote – ein fiktiver Boost von 1,80 auf 2,20 auf einem Favoriten. Das ist Marketing: der Anbieter zieht die Quote nach oben, um neue Kunden zu locken. Wert ist es nur, wenn die gesteigerte Quote immer noch über der eigenen Wahrscheinlichkeit liegt.
Cashback. Eine Cashback-Aktion gibt einen Teil des verlorenen Einsatzes zurück. Auch hier sind die Bedingungen entscheidend: gilt der Cashback nur für bestimmte Märkte, nur für eine bestimmte Quote, nur für eine bestimmte Wettart?
Wer einen Bonus annimmt, sollte zuerst die Bedingungen lesen. Wer die Bedingungen liest, weiß, was ihn erwartet. Wer die Bedingungen nicht liest, wird vom Bonus überrascht – und Überraschungen kosten im Wetten Geld.
Wettregeln, die jede Prognose betreffen
Es gibt Regeln, die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen und die jede Prognose betreffen. Sie sind nicht sexy, aber sie entscheiden im Streitfall.
Wettauswertung. Wetten werden nach dem offiziellen Ende des Ereignisses ausgewertet. Bei verschobenen Spielen wartet der Anbieter auf den Nachholtermin. Bei abgebrochenen Spielen gilt die Wette zumeist als storniert, wenn das Spiel nicht innerhalb von 24 Stunden fortgesetzt wird. Bei Live-Wetten auf ein Ereignis, das nicht eintritt (kein Tor mehr, kein nächste Satz), wird die Wette als verloren gewertet – der Einsatz ist weg.
Cashout. Cashout ist eine Funktion, mit der der Anbieter eine laufende Wette vorzeitig zurückkauft. Das ist keine Garantie auf den vollen Gewinn; der Anbieter macht einen Spread, und der zurückkaufte Betrag liegt unter dem tatsächlichen Gewinn bei Sieg. Cashout ist zudem nur bei Einzel- und Kombiwetten verfügbar – Systemwetten und Freebet-Wetten sind ausgeschlossen, bei DAZN Bet und Sportingbet gleichermaßen.
Wettschein. Der Wettschein ist der Vertrag. Was drauf steht, zählt. Wer eine Wette irrtümlich platziert, hat sie platziert. Eine Stornierung ist nur in Ausnahmefällen möglich.
Live-Statistiken. Live-Statistiken sind ein Service, keine Verpflichtung des Anbieters. Sie können ausfallen, ohne dass eine Wette ungültig wird. Wer sich bei der Prognose auf eine Live-Statistik verlässt, sollte wissen, dass sie auch fehlen kann.
Diese Regeln stehen in den Bedingungen und werden im Streitfall angewendet. Wer sie nicht kennt, wettet gegen Regeln, die er nicht gelesen hat. Im Streitfall verliert, wer die Regeln nicht kannte.
Wer heute eine Prognose braucht – und wer lieber wartet
Eine Wettprognose für heute ist kein Muss. Sie ist eine Möglichkeit – für Wettende, die sich mit Form und Statistik auskennen, die Quote lesen können und die Marge im Blick haben. Wer eine dieser Voraussetzungen nicht mitbringt, sollte lieber warten.
Wer eine Prognose erstellt, sollte die Schritte gehen: Form prüfen, Statistik lesen, Aufstellung abgleichen, Quote bewerten, Kontext einbeziehen. Wer das jeden Tag macht, macht es nach einem Monat besser als nach einer Woche. Eine Prognose ist Übung.
Wer eine Quote annimmt, sollte die Marge kennen. Eine 1,90-Quote hat rund 5 % Marge – der Anbieter behält 5 Cent von jedem Euro, der gesetzt wird. Wer eine Quote von 1,80 annimmt, gibt 11 % ab. Über ein Jahr hinweg wird das zu einem ordentlichen Betrag.
Wer eine Wette platziert, sollte die Kosten kennen. 5 % oder 5,3 % Quotenabschlag im Gewinnfall – oder 0 % bei Anbietern, die die Steuer tragen. Diese Kosten entscheiden, ob eine Value-Wette nach Steuern noch Value ist.
Wer einen Bonus annimmt, sollte die Bedingungen lesen. 700 € Umsatz bei 100 € Bonus sind erreichbar – aber nur, wenn die Mindestquote passt und das Budget ausreicht.
Wer auf einem Whitelist-Anbieter wettet, spielt unter deutschem Recht. Wer auf einem Offshore-Anbieter spielt, spielt im Graubereich. Wer die Wahl hat, hat sie an dieser Stelle.
Die Prognose ist nicht das Ende. Sie ist der Anfang – einer Wette, die das eigene Budget nicht sprengt, die Quote bewertet, die Marge kennt und die Kosten trägt. Wer so wettet, wettet mit offenen Augen. Wer anders wettet, wettet im Nebel.
Häufig gestellte Fragen
Wie lässt sich eine eigene Wettprognose Schritt für Schritt erstellen?
Aus Form der letzten Spiele, aus Statistiken zu Toren und Chancen, aus Aufstellung und Sperren, aus Kontext wie Belastung und Motivation. Daraus eine Wahrscheinlichkeit für die möglichen Ausgänge ableiten und prüfen, ob die Quote darüber liegt. Vor Anpfiff noch einmal die Aufstellung checken – sie kann die Prognose kippen.
Warum bleibt der Ausgang eines Spiels trotz aller Analyse offen?
Weil Fußball ein Spiel mit vielen Variablen ist, die einzelne Ereignisse verschieben: Standards, Schiedsrichterentscheidungen, ein Sonntagsschuss, ein Platzverweis. Modelle, die das einbeziehen, liegen im Schnitt etwas häufiger richtig – aber nicht jedes Mal. Eine einzelne Partie bleibt unberechenbar; auf Dauer rechnet sich ein Vorteil.
Was ist eine Value-Wette, und wie verbindet sie Prognose und Quote?
Eine Value-Wette liegt vor, wenn die Quote des Anbieters über der eigenen Wahrscheinlichkeit liegt. Beispiel: 55 % Wahrscheinlichkeit, Quote 1,90. Die faire Quote wäre 1,82; der Anbieter zahlt mehr als fair. Über viele Wetten summiert sich dieser Vorteil. Eine Value-Wette setzt voraus, dass die Marge und die Steuer bereits eingepreist sind.
Wie wirkt sich ein Quotenabschlag oder die Sportwettensteuer von 5,3 % auf den Ertrag einer Prognose aus?
Er schmälert den Gewinn. Aus 100 € Bruttogewinn werden bei 5 % Abschlag 95 €, bei 5,3 % sind es 94,70 €. Auf eine 2,00-Quote sinkt die effektive Auszahlung von 2,00 auf 1,90 oder 1,894. Auf 100 Wetten sind das 500 € bzw. 530 €, die auf der Strecke bleiben – unabhängig davon, wie viele Wetten gewonnen werden.
Welche Live-Wetten sind in Deutschland erlaubt, wenn sich eine Prognose auf ein laufendes Spiel bezieht?
Erlaubt sind Wetten auf das Endergebnis und auf seltene Spielereignisse wie das nächste Tor im Fußball oder den nächsten Satz im Tennis. Nicht erlaubt sind Wetten auf den nächsten Punkt im Tennis, den nächsten Korb im Basketball, die nächste Karte. Diese Märkte bieten Whitelist-Anbieter nicht an. Eine Live-Wette auf einen Offshore-Anbieter ist unerlaubt.
Warum bieten lizenzierte Anbieter in Deutschland keine Wetten auf Esports-Prognosen an?
Weil die GGL Esports nicht als Sport im Sinne des GlüStV anerkennt. Wetten auf Esports sind daher nicht zulässig – kein Whitelist-Anbieter darf sie anbieten. Wer auf Esports wetten will, muss auf einen Offshore-Anbieter ausweichen und akzeptiert damit unerlaubtes Glücksspiel in Deutschland.
Verfasst vom Team von „Wettstrategieinfo”.
