Asian Handicap bei Wettanbietern mit deutscher Erlaubnis: Märkte, Regeln und Kosten
Stand der Lizenzdaten: 19 Oktober 2026, abgeglichen mit der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).

Wer auf Fußball Wetten mit Handicap spielen will, landet in Deutschland schnell bei einer bestimmten Frage: Welcher Anbieter hat überhaupt eine Erlaubnis, und wie unterscheidet sich die Quote zwischen den zehn Buchmachern, die auf der Whitelist stehen? Dieser Überblick ordnet das Asian Handicap als Wettmarkt ein, erklärt die Bruchstellen zwischen ganzen, halben und Viertel-Handicaps, zieht dann zehn Anbieter mit deutscher Sportwetten-Erlaubnis nebeneinander auf, schließt mit Rechtslage, Spielerschutz und Steuerwirkung und bündelt am Ende die häufigsten Fragen.
Stand der Lizenzdaten: 19 Oktober 2026, abgeglichen mit der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
Inhaltsverzeichnis
- Was das Asian Handicap eigentlich macht
- Warum es bei diesem Markt um die Kosten geht
- Verantwortungsvolles Spielen bei Handicap-Wetten
- Wettmärkte im Detail: Wie Handicap-Linien den Einsatz aufteilen
- Die Kostenstruktur einer Handicap-Wette: Marge und Steuer im Zusammenspiel
- Die zehn Anbieter mit deutscher Erlaubnis im Vergleich
- Rechtslage: Was erlaubt ist und was nicht
- Häufige Fragen zu Asian Handicap
Was das Asian Handicap eigentlich macht
Beim Asian Handicap startet eine Mannschaft mit einer fiktiven Vorgabe, die zum tatsächlichen Endergebnis addiert wird. Die Quote beider Seiten verschiebt sich dadurch in Richtung 2,00, weil das Unentschieden als Ausgang praktisch verschwindet. Das ist der ganze Kunstgriff des Markts. Wer den Außenseiter stärker einschätzt, als die Quote es abbildet, gibt ihm ein zusätzliches Polster; wer den Favoriten klar vorne sieht, akzeptiert einen Abzug. Drei Linien tragen den Markt: ganze, halbe und Viertel-Handicaps. An welchen ein Wettanbieter Asian Handicap anbietet, entscheidet sich an dieser Linie, nicht am Namen des Spiels.

Das Handicap ist in Asien entwickelt worden und beim Fußball besonders verbreitet. Andere Sportarten übernehmen die Logik in Point-Spread-Form, also als Punktevorgabe etwa beim Basketball oder American Football. Der Rechenweg bleibt gleich: tatsächliches Ergebnis plus Handicap ergibt das Wettergebnis.
Warum es bei diesem Markt um die Kosten geht
Jeder Anbieter arbeitet mit einer Marge, die in jede Quote eingepreist ist. Bei einem Markt mit Quote 2,00 auf beiden Seiten liegt die Auszahlungsquote bei 100 % minus dessen Quote. Bei einem Ausgleichspreis von 1,90/1,90 etwa ergibt sich eine Auszahlungsquote von rund 95,2 % und damit eine Marge, die knapp unter 5 % liegt. Diese Marge ist der Preis, den jeder Spieler unabhängig vom Ausgang zahlt. Wer den Markt versteht, sieht sie in jeder Zeile der Quotierung, nicht erst im Kleingedruckten.
Hinzu kommt die Sportwettensteuer von 5,3 %, die nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz auf den um die Steuer verminderten Einsatz erhoben wird. Praktisch entspricht das rund 5,03 % des eingezahlten Betrags. Ob und wie der Anbieter diese Last an den Kunden weiterreicht, ist seine Sache. ODDSET behält 5 % vom Bruttogewinn ein, Sportingbet ebenso, andere Anbieter schlagen die Steuer auf die Quote auf. Das ist die zweite Stellschraube, an der die effektive Auszahlung hängt.
Verantwortungsvolles Spielen bei Handicap-Wetten
Auch bei Handicap-Wetten gelten die Schutzmechanismen des Glücksspielstaatsvertrags ohne Abstriche. Die Altersgrenze liegt bei 18 Jahren, die Identitätsprüfung erfolgt bei der Anmeldung mit voller Verifikation, das gemeinsame Einzahlungslimit gilt, OASIS als Sperrdatei wird bei Registrierung und Login abgefragt. Was Handicap-Wetten gefährlich macht, ist nicht der Markt selbst, sondern die Illusion knapper Ausgänge: Eine Wette auf -0,25 liest sich wie eine fast sichere Sache und ist es nicht. Wer sich daran orientiert, dass die Marge auf jedes Ergebnis gleichmäßig verteilt ist, schützt sich vor der populärsten Fehlinterpretation des Markts.
Das Einzahlungslimit liegt standardmäßig bei 1.000 € pro Kalendermonat über alle Anbieter hinweg und wird über die LUGAS-Limitdatei durchgesetzt. Wer die Anhebung auf bis zu 10.000 € beantragt, muss wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen, eine Selbstauskunft reicht nicht. Eine Senkung greift sofort, eine Erhöhung erst nach sieben Tagen. Parallel-Spiel ist verboten, was die Aktivitätsdatei prüft. Offshore-Anbieter sind an weder OASIS noch LUGAS angeschlossen; dort gilt weder das deutsche Einzahlungslimit noch der Sperrdatei-Abgleich.
Wettmärkte im Detail: Wie Handicap-Linien den Einsatz aufteilen
Die Linien unterscheiden sich dort, wo es wehtut: beim Unentschieden und bei der Einsatzaufteilung.
Ganze Handicaps (-1, 0, +1, +2 …): Bei einem ganzen Handicap wird der Einsatz zurückerstattet, wenn das Handicap-Ergebnis unentschieden steht. Gewinnt Team A mit Handicap -1 etwa 2:1, ergibt sich rechnerisch 1:1, und der Einsatz geht zurück. Der Markt kennt also drei Ausgänge: Sieg der einen Seite, Sieg der anderen, Rückerstattung.
Halbe Handicaps (-0,5, +0,5, -1,5, +1,5 …): Hier gibt es keine Rückerstattung, weil das Handicap niemals ein Unentschieden erzeugen kann. Es gewinnt immer eine der beiden Seiten.
Viertel-Handicaps (-0,25, +0,25, -0,75, +0,75 …): Der Einsatz wird auf zwei benachbarte Handicaps aufgeteilt. Ein +0,25 besteht zur Hälfte aus einer Wette mit Handicap 0 und zur Hälfte aus einer mit Handicap +0,5. Bei 100 € Einsatz liegen also 50 € auf +0 und 50 € auf +0,5. Gewinnt die Mannschaft mit einem Tor Unterschied, gewinnt die +0,5-Hälfte und die +0-Hälfte wird erstattet. Bei einem Unentschieden wird die +0,5-Hälfte verloren und die +0-Hälfte erstattet. So entstehen Mischfälle, die ein Handicap-Aggregat zwei verschiedenen Märkten gleichzeitig zuordnen.
Point-Spread in US-Sportarten: Bei einem ausgeglichenen Handicap, etwa -6 Punkte bei einem Vorsprung von genau 6 Punkten, werten manche Anbieter die Wette mit Quote 1,00 und erstatten den Einsatz. Diese Variante entspricht dem Verhalten beim ganzen Handicap.
Live-Handicaps: Während eines laufenden Spiels bezieht sich das Handicap meist nur auf die Restspielzeit, der Spielstand bei Wettabgabe gilt als 0:0. Wer also zur Halbzeit beim Stand 1:0 auf -0,5 wettet, wettet effektiv auf den zweiten Durchgang.
Diese Mechanik ist nicht Spielerei. Sie ist die Grundlage jeder Handicap-Wette und entscheidet, ob ein bestimmtes Ergebnis zu einem vollen Gewinn, einem Verlust, einer Rückerstattung oder einem Mischfall führt. Anbieter, die nur ganze oder nur halbe Linien anbieten, schneiden das Angebot schmaler; Anbieter mit Viertel-Linien geben dem Wettenspiel mehr Granularität, was die Marge freilich nicht aufhebt.
Die Kostenstruktur einer Handicap-Wette: Marge und Steuer im Zusammenspiel
Eine Quote ist nie ein faires Spiegelbild der Wahrscheinlichkeit. Der Anbieter behält einen Anteil, der in jede Seite des Markts eingepreist ist und sich aus dem Verhältnis aller Quoten zueinander ergibt. Bei einem ausgeglichenen Markt mit zwei Ausgängen und beiden Seiten bei 1,90:
Auszahlungsquote = 1 ÷ (1/1,90 + 1/1,90) = 1 ÷ (0,5263 + 0,5263) = 1 ÷ 1,0526 ≈ 0,9500, also rund 95 %.
Die Marge liegt entsprechend bei rund 5 %. Bei diesem Beispiel heißt das: Von jedem eingesetzten Euro wandert im langfristigen Durchschnitt etwa fünf Cent in die Tasche des Anbieters, der Rest wird als Gewinn ausgeschüttet. Diese Größenordnung ist bei Hauptmärkten großer Fußballspiele üblich. Bei Nischenmärkten, kleineren Ligen oder exotischen Handicap-Linien kann die Marge deutlich höher liegen.
Die Sportwettensteuer kommt obendrauf, je nach Anbieter unterschiedlich verrechnet:
- Aufschlag auf die Quote: Manche Anbieter reduzieren die angezeigte Quote um den Steueranteil. Eine faire 2,00 wird zu 1,90.
- Abzug vom Bruttogewinn: Andere Anbieter behalten 5 % vom Bruttogewinn ein, ODDSET und Sportingbet arbeiten so. Bei Quote 2,50 und 100 € Einsatz bedeutet das: Bruttogewinn 250 €, abzüglich 5 % = 237,50 €.
- Übernahme durch den Anbieter: Wieder andere reichen die Steuer nicht weiter, was sich in der Quote widerspiegelt.
Welche der drei Varianten greift, ändert die effektive Auszahlung. Die Marge bleibt dieselbe; die Art, wie die Steuer zugerechnet wird, ist eine Zusatzlast, die der Kunde trägt, sofern der Anbieter sie nicht schluckt. Bei einer Marge-Aufzeichnung als Band statt als Punkt zeigt sich: Wer auf viele Handicap-Linien gleichzeitig zugreift, bewegt sich meist in einem Korridor zwischen 4 und 8 %, je nach Markt und Anbieter.
Die zehn Anbieter mit deutscher Erlaubnis im Vergleich
Die folgende Tabelle ordnet die zehn Anbieter, die auf der Whitelist der GGL mit einer Sportwetten-Erlaubnis geführt werden, nach Erlaubnisstatus und Datum der ersten Erlaubnis. Die Reihenfolge ist nicht wertend, sondern orientiert sich am Datum der ersten Erlaubnis und am Sitz der Betreibergesellschaft.
| Anbieter | Whitelist-Status und Erlaubnisinhaber | Sportwetten-Erlaubnis seit |
|---|---|---|
| AdmiralBet | Whitelist-Eintrag für AdmiralBet, Inhaber Greentube Betting Malta Limited | 09.10.2020 |
| bet365 | Whitelist-Eintrag für bet365, Inhaber Hillside (Europe) ENC (Malta) | 09.10.2020 |
| bpremium | Whitelist-Eintrag für bpremium, Inhaber Ladbrokes (Deutschland) Limited | 09.10.2020 |
| NEO.bet | Whitelist-Eintrag für NEO.bet, Inhaber Greenvest Betting Limited | 09.10.2020 |
| Sportingbet | Whitelist-Eintrag für Sportingbet, Inhaber Sportingbet (Deutschland) Limited | 09.10.2020 |
| Tipico | Whitelist-Eintrag für Tipico, Inhaber Tipico Co. Limited (Malta) | 09.10.2020 |
| Tipwin | Whitelist-Eintrag für Tipwin, Inhaber Tipwin Limited | 09.10.2020 |
| Betano | Whitelist-Eintrag für Betano, Inhaber Betkick Sportsbetting Limited | 19.02.2021 |
| VBet | Whitelist-Eintrag für VBet, Inhaber SCGO Limited (Malta) | 05.12.2023 |
| LeoVegas | Whitelist-Eintrag für LeoVegas, Inhaber LVSports Limited | 21.10.2024 |
Die Tabelle zeigt das Whitelist-Bild vom 02.10.2026. Sie trägt keine Folgeerlaubnisse und keine Endtermine, weil die Whitelist beides nicht ausweist. Was sie trägt, ist die erste Erlaubnis für den Sportwetten-Bereich der jeweiligen Domain. Wer prüfen will, ob ein Anbieter aktuell erlaubt ist, sieht auf der Whitelist nach, nicht in dieser Tabelle.
AdmiralBet – Granularität bei Viertel-Handicaps
AdmiralBet gehört zu den Anbietern, die das Asian Handicap ausführlich erklären. Das Haus beschreibt beim Viertel-Handicap eine Aufteilung zu jeweils 50 % auf die beiden umliegenden Handicaps, bei +0,75 also 50 % auf +1 und 50 % auf +0,5. Diese Erklärung ist nicht selbstverständlich. Viele Wettende verwechseln ein Viertel-Handicap mit einer Zwischenlinie und unterschätzen die Aufteilung.
AdmiralBet sitzt seit 2020 mit deutscher Erlaubnis auf dem Markt, mit Folgeerlaubnissen aus den Jahren 2022 und 2024. Die Betreibergesellschaft Greentube Betting Malta Limited wird auf der Whitelist geführt, mit Sitz in Malta. Für Spieler, die eine möglichst präzise Aufteilung beim Viertel-Handicap suchen und die Mechanik verstehen wollen, ist AdmiralBet ein passender Einstiegspunkt. Wer hingegen ein möglichst breites Sportangebot jenseits des Fußballs sucht, sollte bei einem Anbieter mit größerem Wettprogramm schauen, denn die Handicap-Tiefe bei kleineren Ligen variiert.
bet365 – Konfigurator und Boost auf Kombiwetten
bet365 sitzt auf der Whitelist mit Hillside (Europe) ENC als Inhaberin, einer Malta-Gesellschaft mit Sitz in Ta’Xbiex. Die Erlaubnis läuft seit 2020, mit einer Folgeerlaubnis Ende 2022. Das Haus bietet einen Boost für den Wetten-Konfigurator bei drei oder mehr Auswahlen und kombinierten Quoten ab 2,00 sowie einen Gewinn-Boost für Kombiwetten, dessen Prozentsatz von der Zahl der Auswahlen abhängt.
Der Konfigurator unterscheidet sich von einem einfachen Wettschein mit Handicap-Wahlen, weil er mehrere Märkte eines Spiels zu einer kombinierten Wette zusammenfügt. Für Asian-Handicap-Spieler heißt das: Sie können Handicap, Tore Über/Unter und weitere Linien aus demselben Spiel kombinieren, was bei den meisten klassischen Buchmachern ausgeschlossen ist. Wer aus Handicap-Linien Kombiwetten bauen will, findet hier ein Werkzeug, das andere Häuser nicht in dieser Form anbieten. Die Boost-Komponente kommt oben drauf und hängt an der Kombiquote.
bpremium – Umsatzanforderungen im Kleingedruckten
Bpremium steht seit 2020 mit deutscher Erlaubnis auf der Whitelist. Die Nutzungsbedingungen schreiben vor, dass Bonusgewinne aus Sportwetten erst nach dem Fünffachen des Bonusbetrags und des zugehörigen Einzahlungsbetrags bei Dezimalquoten ab 1,7 ausgezahlt werden. Angebote sind, wenn nicht anders vermerkt, nur einmal nutzbar.
Die Faktor-5-Umsetzung ist im deutschen Markt üblich, aber die Kombination aus Bonus- und Einzahlungsfaktor macht die Hürde höher, als sie auf den ersten Blick wirkt. Bei einem 100-€-Bonus sind 1.000 € Umsatz nötig, davon 500 € aus dem Bonus und 500 € aus der Einzahlung. Bei Mindestquote 1,7 ist das Spielprogramm breit genug, um den Umsatz zu leisten, ohne in Nischenmärkte ausweichen zu müssen. Wer mit kleineren Einsätzen spielt, sollte vor Annahme prüfen, wie viele Wetten das bei seinem üblichen Einsatz tatsächlich werden.
NEO.bet – Live-Funktionen aus einer kleineren Hand
NEO.bet ist mit Greenvest Betting Limited als Inhaberin seit 2020 auf der Whitelist, mit einer Folgeerlaubnis aus dem Jahr 2022. Die App des Hauses nennt in der Entwicklerbeschreibung Live-Quoten und Live-Wetten sowie Cashout und Teil-Cashout. Damit ist NEO.bet einer der Anbieter im Set, der Cashout als Feature anbietet; Cashout unterliegt keiner GGL-Vorschrift und ist eine reine Anbieterentscheidung.
Für Handicap-Wetten ist Cashout in zweierlei Hinsicht interessant: Wer eine laufende Wette mit Handicap-Linie vor dem Spielende schließen will, kann das ohne Warten auf den offiziellen Schlusspfiff tun. Wer mehrere Handicap-Positionen parallel laufen hat, kann mit Teil-Cashout einzelne Wetten lösen. Der Preis dafür: Cashout-Quoten enthalten die Marge des Anbieters und fallen meist schlechter aus als der Restwert der Wette bei regulärem Ausgang.
Sportingbet – Steuer als Quotenabschlag
Sportingbet steht seit 2020 mit Erlaubnis auf der Whitelist. In den Wettregeln nennt das Haus eine Steuer von 5 % des Wetteinsatzes nach § 17 des Rennwett- und Lotteriegesetzes und behält bei gewonnenen Wetten 5 % vom Bruttogewinn (Einsatz × Quote) ein. Das ist die in §7 des GlüStV-Rahmens übliche Anwendung der Steuerlast.
Wer eine Quote bei Sportingbet liest, sollte wissen: Die angezeigte Quote ist die Quote vor Steuerabzug. Bei Quote 2,50 und 100 € Einsatz ergibt sich ein Bruttogewinn von 250 €, von dem 5 % = 12,50 € abgezogen werden. Die Auszahlung liegt dann bei 237,50 €. Im Vergleich zu Anbietern, die die Steuer nicht weiterreichen, schmälert das die effektive Auszahlung, ohne dass die Marge dadurch steigt. Die Marge bleibt dieselbe; die Art der Steuerverrechnung ist der Unterschied.
Tipico – Traditionsname im deutschen Markt
Tipico Co. Limited mit Sitz in San Ġiljan auf Malta steht seit 2020 mit Erlaubnis auf der Whitelist, mit einer Folgeerlaubnis aus 2022. Das Haus wurde 2004 gegründet, einer der ältesten Namen im deutschen Sportwetten-Markt. Vor dem Bundesgerichtshof läuft ein Rechtsstreit, in dem ein Kläger mehr als 3.700 € Verluste aus Sportwetten der Jahre 2013 bis 2018 zurückfordert; der BGH hat die Frage am 25. Juli 2024 dem EuGH vorgelegt. Der Generalanwalt hat in seinen Schlussanträgen vom 19. März 2026 eine Rückzahlungspflicht für grundsätzlich möglich gehalten.
Der Fall zeigt die rechtliche Grauzone, in der sich Wetten auf Plattformen ohne deutsche Erlaubnis bewegen. Tipico selbst sitzt heute mit Erlaubnis auf der Whitelist; die streitgegenständlichen Wetten stammen aus der Zeit vor der Erlaubnis. Wer heute bei Tipico spielt, hat die deutsche Erlaubnis als Grundlage; wer Verluste aus der Zeit daraus zurückholen will, muss den Rechtsweg gehen. Wer auf der Whitelist prüft, sieht den aktuellen Status; die Historie steht in den Gerichtsakten.
Tipwin – hoher Willkommensbonus mit klaren Bedingungen
Tipwin steht seit 2020 mit Erlaubnis auf der Whitelist, mit Folgeerlaubnissen aus 2022 und 2024. Das Willkommensangebot verdoppelt die erste Einzahlung bis 100 €. Einzahlung und Bonus zusammen müssen siebenmal in Sport- und Live-Wetten umgesetzt werden, je Wettschein zählen höchstens 100 €, Mindestquote 1,80.
Die Faktor-7-Umsetzung ist im deutschen Markt eher am oberen Ende. Bei einem 100-€-Bonus auf eine 100-€-Einzahlung sind 1.400 € Umsatz nötig, davon 700 € aus Einzahlung und 700 € aus Bonus. Die Mindestquote 1,80 schließt Wettmärkte mit hoher Wahrscheinlichkeit aus, lässt aber Kombiwetten und Handicap-Wetten zu. Die 100-€-Wettschein-Obergrenze ist ein Hebel: Wer mit höheren Einsätzen spielen will, muss die Boni auf mehrere Wettscheine aufteilen.
Betano – Bet Builder und Live-Streaming
Betano steht seit Februar 2021 mit Erlaubnis auf der Whitelist, mit einer Folgeerlaubnis aus 2022. Die App des Hauses nennt in der Entwicklerbeschreibung einen Bet Builder, der mehrere Märkte eines Spiels kombiniert, Cash Out und Live-Streaming unter anderem von LaLiga, FA Cup, Tennis-Grand-Slams, NBA, EuroLeague und NFL.
Für Handicap-Spieler ist der Bet Builder ein anderer Zugang als der Konfigurator von bet365: Beim Bet Builder werden Märkte aus einem Spiel zu einer kombinierten Wette zusammengeführt, was Handicap plus Tore Über/Unter plus Ecken ermöglicht. Live-Streaming ist bei In-Play-Wetten auf Handicap-Linien ein Vorteil, weil das Bild den taktischen Verlauf zeigt, der für die Handicap-Entscheidung zählt. Die Streaming-Abdeckung ist nicht vollständig, weil die GGL keine Inhalte erlaubt, die gegen deutsche Rechtsprechstimmungen verstoßen, aber das genannte Spektrum ist breit.
VBet – schmales Erlaubnis-Beginn mit Folgeerlaubnissen
VBet wird von SCGO Limited mit Sitz in St. Julian’s, Malta betrieben. Die Sportwetten-Erlaubnis läuft seit dem 5. Dezember 2023, später als die anderen Anbieter im Set. Für Spieler, die einen Anbieter mit möglichst aktueller Erlaubnis suchen, ist VBet eine Option; für Spieler, die einen Anbieter mit langer Marktpräsenz auf dem deutschen Markt suchen, sind die älteren Erlaubnisse aus 2020 die bessere Wahl.
Die Malta-Struktur der Betreibergesellschaft teilt VBet mit mehreren anderen Anbietern im Set, etwa Tipico, bet365 und AdmiralBet. Eine Malta-Gesellschaft als Betreiberin ist im deutschen Markt üblich, weil die deutsche Regulierung die Sitzland-Frage offenlässt und auf die Whitelist als Nachweisreferenz setzt.
LeoVegas – jüngste Erlaubnis im Set
LeoVegas wird von LVSports Limited betrieben und steht seit dem 21. Oktober 2024 mit Erlaubnis auf der Whitelist, die jüngste Erlaubnis im Set. Für eine virtuelle Automatenspiele-Erlaubnis liegt bereits ein Eintrag seit Februar 2023 vor, aber das ist eine andere Erlaubnis mit anderen Regeln.
Für Spieler, die einen Anbieter mit möglichst junger Erlaubnisstruktur suchen, ist LeoVegas die jüngste Option. Wer hingegen auf einen Anbieter mit langer Historie und etabliertem Wettprogramm setzt, ist bei Tipico oder AdmiralBet besser aufgehoben. Die Whitelist-Erlaubnis ist eine notwendige, keine hinreichende Bedingung für ein vollständiges Handicap-Angebot. Was den Handicap-Markt in Breite und Tiefe angeht, sollte der Spieler vor der Anmeldung ins Wettprogramm des jeweiligen Hauses schauen.
Rechtslage: Was erlaubt ist und was nicht
Erlaubt sind Sportwetten mit Handicap nur bei Anbietern, die eine Erlaubnis der GGL haben. Die Erlaubnis wird nach § 9 Abs. 8 GlüStV in der Whitelist geführt, die bei der GGL öffentlich einsehbar ist und alle erlaubten Anbieter mit Domain und Inhaber nennt. Eine .de-Domain allein beweist keine Erlaubnis; ein Anbieter ohne Whitelist-Eintrag ist im deutschen Markt unerlaubt, auch wenn er mit einer .de-Domain arbeitet. Die GGL warnt Verbraucher ausdrücklich vor illegalen Plattformen, die Liste solcher Plattformen ist lang und wird regelmäßig aktualisiert.

Was darf gespielt werden: Festquoten-Wetten auf den Ausgang eines Ereignisses oder eines Abschnitts davon, als Einzel- oder Kombiwette, und nur auf Wetttypen, die die GGL im Sportwettprogramm erlaubt hat.
Was nicht erlaubt ist: Live-Wetten während eines laufenden Ereignisses nur auf das Endergebnis oder auf das nächste Tor, den nächsten Satz oder eine ähnliche Komponente in Sportarten, in denen solche Ereignisse selten sind. Nächstes Tor im Fußball ja, nächster Satz im Tennis ja; nächster Ballwechsel im Tennis, nächster Korb im Basketball nein. Ereignisse mit überwiegend Minderjährigen oder Amateuren (in der GGL-Praxis: Fußball unterhalb der 3. Liga), manipulationsanfällige Wetten und Wetten auf Regelverstöße oder deren Sanktionierung sind ausgeschlossen. Soziale oder politische Ereignisse sind nicht wettrechtlich zugelassen. E-Sports ist nach GGL-Aussage nicht als Sport anerkannt, weshalb es keine lizenzierten E-Sports-Wetten in Deutschland gibt. Virtual Sports sind in der Rechtslage nicht abschließend geklärt.
Steuer: Die Sportwettensteuer von 5,3 % auf den um die Steuer verminderten Einsatz wird vom Veranstalter der Wette geschuldet, nicht vom Wettenden. Ob und wie der Anbieter sie weitergibt, ist seine Entscheidung und sollte aus seinen Bedingungen abgelesen werden. Eine bezogene Steuer beweist keine Erlaubnis, weil auch unerlaubte Anbieter die Steuer abführen.
Werbeschutz: Nur Erlaubnisinhaber dürfen für Sportwetten werben. Das Werbeverbot von 06:00 bis 21:00 Uhr betrifft nicht Sportwetten, sondern Spielautomaten, Online-Poker und Online-Casinospiele. Für Sportwetten gelten eigene Regeln: keine Werbung unmittelbar vor oder während einer Live-Übertragung auf demselben Kanal, keine Werbung mit aktiven Sportlern oder Funktionären, keine Affiliate-Vergütung nach Umsatz, Einzahlung oder Einsatz.
Spielerschutz: Volljährigkeit (18 Jahre), eine Verifikation pro Anbieter mit voller Identitätsprüfung, ein übergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 € pro Monat über alle Anbieter, OASIS als Sperrsperrdatei, der Panikbutton für 24-Stunden-Sperren, Spiel auf eigene Rechnung nur von einem Konto, das auf den eigenen Namen lautet, und Bargeldverbot. Anonymität ist ausgeschlossen, was Krypto-Zahlungen und anonymer Prepaid den Weg in lizenzierte deutsche Anbieter versperrt.
Offshore: Anbieter ohne deutsche Erlaubnis sind unerlaubtes Glücksspiel. Eine Curaçao-, Anjouan- oder Malta-Lizenz hat in Deutschland keine Bedeutung. Die GGL warnt Verbraucher vor illegalen Angeboten. Strafrechtlich kann die Organisation von unerlaubten Wetten mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe geahndet werden, die Werbung mit bis zu einem Jahr, die Teilnahme mit bis zu sechs Monaten. Strafverfolgung gegen einzelne Spieler ist nicht etabliert, was weder als Freifahrtschein noch als Drohung dramatisiert werden sollte.
Häufige Fragen zu Asian Handicap
Was unterscheidet Asian Handicap von der klassischen Dreiwege-Wette?
Bei der klassischen Dreiwege-Wette gibt es drei Ausgänge: Heimsieg, Unentschieden, Auswärtssieg. Beim Asian Handicap wird das Unentschieden durch eine Vorgabe aufgelöst, die eine Mannschaft mit einem fiktiven Vor- oder Rückstand starten lässt. Bei einem ganzen Handicap bleibt das Unentschieden als Ausgang erhalten, weil bei einem Handicap-Unentschieden der Einsatz zurückerstattet wird. Bei einem halben Handicap gibt es kein Unentschieden mehr, weil das Handicap immer einen Sieger produziert. Der Dreiwege-Markt verliert damit seine Mittellinie.
Wie wird der Einsatz beim Viertel-Handicap aufgeteilt?
Ein Viertel-Handicap besteht aus zwei Wetten auf die umliegenden Handicap-Linien, jeweils zur Hälfte des Einsatzes. Bei +0,25 liegen 50 % auf Handicap 0 und 50 % auf Handicap +0,5. Bei +0,75 liegen 50 % auf +1 und 50 % auf +0,5. Gewinnt die Mannschaft bei +0,25 mit einem Tor Unterschied, gewinnt die +0,5-Hälfte und die +0-Hälfte wird erstattet; bei einem Unentschieden verliert die +0,5-Hälfte und die +0-Hälfte wird erstattet.
Wann wird der Einsatz beim ganzen Handicap erstattet?
Wenn das Handicap-Ergebnis unentschieden steht. Bei einem Handicap von -1 und einem tatsächlichen 2:1-Sieg steht es nach Addition 1:1, und der Einsatz geht zurück. Bei einem Handicap von +2 und einem 1:2-Sieg aus Sicht des Außenseiters steht es rechnerisch 3:2, und der Einsatz geht zurück. Bei jedem anderen Ergebnis gewinnt eine der beiden Seiten, bei einem Handicap von 0 gewinnt nur ein Tor Unterschied.
Wie funktioniert das Handicap bei Live-Wetten, und welche Beschränkungen gelten in Deutschland?
Bei Live-Handicaps bezieht sich das Handicap meist nur auf die Restspielzeit, der Spielstand bei Wettabgabe gilt als 0:0. Wer zur Halbzeit beim Stand 1:0 auf -0,5 wettet, wettet effektiv auf den zweiten Durchgang. In Deutschland sind Live-Wetten während eines laufenden Ereignisses nur auf das Endergebnis oder auf das nächste Tor, den nächsten Satz oder eine ähnliche Komponente erlaubt; das nächste Tor im Fußball ja, der nächste Ballwechsel im Tennis nein, der nächste Korb im Basketball nein.
Wie wirken Marge und Sportwettensteuer auf die Handicap-Quoten?
Die Marge ist in jeder Seite des Markts eingepreist und ergibt sich aus dem Verhältnis aller Quoten zueinander. Bei einer ausgeglichenen Wette mit beiden Seiten bei 1,90 ergibt sich eine Auszahlungsquote von rund 95 %, also eine Marge von etwa 5 %. Die Sportwettensteuer von 5,3 % auf den um die Steuer verminderten Einsatz, was rund 5,03 % des eingezahlten Betrags entspricht, kommt obendrauf. Manche Anbieter schlagen sie auf die Quote auf, manche ziehen sie vom Bruttogewinn ab, manche übernehmen sie. Die effektive Auszahlung hängt von beiden Komponenten ab, wobei die Marge der größere Posten ist, weil sie immer anfällt, die Art der Steuerverrechnung aber vom Anbieter bestimmt wird.
Erstellt vom Redaktionsteam „Wettstrategieinfo”.
